Digitalisierung: Abschied vom Acht-Stunden-Tag?

Die Digitalisierung verändert Unternehmen grundsätzlich. Doch was heißt das für die Menschen, die hier arbeiten? Stefan Wickenhäuser von philosophyofdigitalbusiness.com berichtet in diesem Gastbeitrag von seinen persönlichen Erlebnissen und skizziert Chancen.

Letzten Samstag bin ich aus meinem Urlaub wiedergekommen. Auf dem Weg zurück nach München (12 Stunden Flug) hatte ich einen Sitznachbarn, mit dem ich morgens um vier Uhr (war ja schließlich fast schon Zeit für Frühstück) in einen interessanten Austausch gekommen bin.

Wir hatten uns beginnend nur über unseren Reise-Herkunftsort ausgetauscht, und warum wir dort waren. Er war geschäftlich unterwegs. Und während wir also über dies und das plauderten, landeten wir auf einmal in einer umfänglichen Diskussion und einem spannenden Austausch über das Thema „digitale Transformation“.

… und was ist mit den Menschen?

Es war nur nicht von Technologie-Themen geprägt, sondern welche Auswirkungen es durch die Digitalisierung gibt. Und auf einmal rückte der Mensch immer mehr in den Mittelpunkt unserer Unterhaltung: was passiert mit Menschen, die sich einer digitalen Welt gegenübersehen? Betrifft es nur die Arbeit, meinen Acht-Stunden-Tag (Definition Acht-Stunden-Tag: Acht Stunden am Stück arbeiten, also ein klassischer Nine-to-five-Job)? Was ist mit meiner Freizeit? Wie verhält es sich mit Freunden, dem allgemeinen Verhalten und der Wirkung auf andere Menschen? Was ist mit der sogenannten „Work-Life-Balance“?

Ich gebe es immer gerne zu, diese Themen sind meine Leidenschaft: Betrachtung einer veränderten, digitalen Welt ohne Technologie-Schwerpunkt – klasse! Eine digitale Transformation ist ein wunderbarer Prozess. Bildlich gesprochen eine Metamorphose. Weg von der analogen, nicht selbstbestimmten Raupe hin zum freien und wunderschönen Schmetterling.

Gut, das war jetzt vielleicht zu überspitzt, trifft es aber ganz gut. Was ich damit sagen will: Wir diskutieren viel über Auswirkungen einer Digitalisierung. Wir versuchen uns an altbekannten Dingen festzuhalten und monieren, wenn es gelockert werden soll. Bestes Beispiel hierfür der Acht-Stunden-Tag – ist dieser noch zeitgemäß? Viele schreien nun auf, dass man doch nicht 24 Stunden seinem Chef gegenüber zur Verfügung stehen will, man die Tür zu machen möchte und Arbeit Arbeit sein lassen will. Zu begreifen, dass ein acht Stunden Tag vor 250 Jahren nicht existent war, faktisch in einer Ausführung nicht sehr produktiv ist und Menschen so unterschiedlich sind, dass sich nicht alles in eine Zeiteinheit von acht aufeinanderfolgenden Stunden pressen lässt, das ist jetzt die Kunst.

Meine Meinung dazu: ein Acht-Stunden-Tag ist nicht zeitgemäß. Es gibt doch jetzt auch schon unterschiedliche Modelle: es gibt Schichtarbeiten, Halbtags-Arbeit, Aufteilung einer wöchentlichen Zahl auf die Tage (oder eine Vier-Tage Woche). Die Flexibilität ist jedoch noch nicht so, wie es für den Menschen individuell nutzbar ist. Siehe hierzu auch einen Beitrag der ARD.

Arbeitszeitmodelle müssen Individualität der Beschäftigten widerspiegeln

Und das ist das Zauberwort: Individualität. Menschen sind unterschiedlich, werden aber immer noch gesellschaftlich und durch gesetzliche Vorgaben in starre und nicht flexible Arbeitszeitmodelle gepresst.

Und genau dies ist eine Chance für die Digitalisierung. Durch neue und anders geprägte Jobs, durch den Wegfall von umständlichen Prozessen, durch die Schaffung von leistungsbezogenen Zielen und neuen Geschäftsideen, die einer neuen Art des Denkens bedürfen kann sich auch der Acht-Stunden-Tag verändern, bzw. er muss sich verändern.

Und da wir gerade bei solchen Veränderungen sind, wir viel über Themen wie Gleichberechtigung in Jobs, Männer nehmen mehr Elternzeit, Frauenquote, etc. sind, stellt man dann doch fest: Es dreht sich um die individuelle Persönlichkeit, den Menschen, der sich mehr Flexibilität, Eigenbestimmung und Freiheiten geben möchte. Und dies durch neue Möglichkeiten in einer digitalisierten Welt auch schaffen kann.

Technologie kann genau hier unterstützten: dem Menschen neue Möglichkeiten zur Entfaltung zum Miteinander geben. Technologie kann nur ein Mittel zum Zweck sein.

Denn alles was eine technologische Umgebung schafft ist eine Basis, auf der Menschen miteinander interagieren und sich wieder aufeinander konzentrieren können. Geschäfte machen und miteinander auskommen geht nur zwischen Menschen.

(Dieser Beitrag wurde erstmals auf Stefans Blog veröffentlicht.)

 

Über den Autor Stefan Wickenhäuser

Stefan Wickenhäuser, Impulsgeber digitale Innovationen & Strategien

Stefan Wickenhäuser, Impulsgeber digitale Innovationen & Strategien

Stefan Wickenhäuser war in unterschiedlichen Positionen in IT-Unternehmen beschäftigt und bringt mehr als 17 Jahre Erfahrung in CRM, Vertriebsberatung und IT-Lösungskompetenz mit. Heute unterstützt Stefan Unternehmen in ihren bestehenden Geschäftsmodellen und erarbeitet mit Kunden neue und zukunftsfähige Geschäftsideen, digitale Innovationen und Strategien.

Sein Motto: „In einer digitalen Strategie kann Technologie nur ein Mittel zum Zweck sein!“

2018-01-03T12:07:58+00:00

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2 Comments

  1. Gregor 25. Januar 2018 at 14:27 - Reply

    Hallo Stefan,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Das spricht mir aus der Seele. Ich finde auch, dass es absolut unerlässlich ist, sich bei allen Themen rund um Technologie, Digitalisierung und Transformation immer bewusst zu sein, dass es um die Menschen und da konkret um die Individualität der Menschen geht. Es werden so oft Pauschalisierenden vorgenommen. In beide Richtungen. Die Menschen wollen flexibler abrieten ist im Prinzip genauso falsch wie die Menschen brauchen Sicherheit. Letztendlich geht es darum zu akzeptieren, dass jeder Mensch in jeder Lebensphase ander Bedürfnisse und auch andere Fähigkeiten hat. Darauf einzugehen, bedeutet für mich die „Zukunft der Arbeit“.

    Ich hatte letztes Jahr unter dem Titel „Mach Arbeit keinen Sinn mehr“ dazu ein paar Ideen aufgeschrieben, die in eine ähnliche Richtung gehen. (http://futureproofworld.com/arbeit-keinen-sinn-thesen-neue-wirtschaft/) Vielleicht hast du dazu ja auch ein paar Ideen.

    Viele Grüße,
    Gregor.

  2. Stefan Wickenhäuser 26. Januar 2018 at 16:51 - Reply

    Hallo Gregor,

    vielen Dank für deine Worte.

    Mit Begeisterung habe ich eben deine sieben Thesen gelesen. Alleine bei „Work-Life-Balance“ bin ich immer wieder überrascht, wie selbstverständlich diese Wortzusammensetzung verwendet wird.

    Ein achter Punkt (indirekt bei Punkt fünf zu finden) kommt mir bei deinen Thesen direkt in den Sinn: „Führung“.
    Durch viele Führungsinstanzen werden Prozesse komplizierter. Und damit wächst auch die Komplexität für den einzelnen Mitarbeiter wieder, da er sich auf diese Komplexität einstellen muss.

    Anders wäre es schöner: durch flache Hierarchien erreichen eine Agilität, Flexibilität und Schnelligkeit. Sie sind Handlungsfähig und können Ihren Mitarbeitern die Spielräume und Freiheiten einräumen, die Sie benötigen.

    Daher mein Appell: mehr flache Hierarchien für alle!

    Beste Grüße,
    Stefan

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